Abgeschrieben aus "Deutsche Schwänke aus alter Zeit"; herausgegeben vom Berliner Lehrerverein bei Rudolf Koch Verlag, Leipzig. Die Quellenangaben stammen aus der Zeit um 1522 bis 1565.

Fried vor dem Schaden

Man zog auf einmal aus in einen Krieg, mit großen Büchsen und mit viel Gewehren, wie dann Sitt ist. Da stund ein Narr da und fragt, was Lebens das wär. Man sprach, man zög in die Reiß (= Krieg). Der Narr sprach: " Was tut man in der Reiß?" Man sprach: "Man verbrennt Dörfer und gewinnt Städt' und verderbt Wein und Korn und schlagen einander zu Tod." Der Narr sprach: "Warum geschieht das?" Man sprach: "Daß man Frieden macht." Da sprach der Narr: "Es wär besser, man macht vorhin Frieden, damit sämtlicher Schaden vermieden blieb. Darum bin ich witziger denn euer Herren sein. Wann es mir wär, so wollt ich vor dem Schaden Frieden machen und nit darnach, so der Schaden geschehen ist."
 
Meine närrische Anmerkung:
Es ist ein großer Schaden worden, daß es während der Zwischenzeit nur einen mir bekannten Narren höchster Staatsgewalt gegeben hat; den man letztlich echt mit 6 Jahr Gefängnis bestraft hat für seine vernarrte Friedfertigkeit.
Der Narr wär hoch geehrt worden mit goldnen Denkmalen, wär er denn in die blutige Reiß gezogen.



Ambossmoritat

Nun höret alle die Geschichte,
von der ich pünktlich euch berichte:

Auf Wittenbergs berühmten Pflaster,
erschien unlängst ein lautrer Pastor,
der die Welt verändern wollte;
doch dann den Westlern Ablaß zollte.

Da seht!
Ein wackrer Pfarrersmann
schleppt einen schweren Amboss ran;
beschwört ein Höllenfeuer dann,
daß Schwerter er drin glühen kann.

Er packt das Mordding bei dem Knauf,
haut mit nem schweren Hammer drauf,
wovon es rundum sich verbiegt;
als Flugschar glänzend vor uns liegt.

Doch was wird bald damit gemacht?
Der Schar, zur LPG gebracht,
bricht deren Acker fruchtbar auf,
viel reiche Ernte blüht darauf.

So war das niemals angedacht,
daß er die Sozis reicher macht.
Man kurvte schmissig in die Wende;
damit der Zustand alsbald ende.

Ein neuer Thron ward installiert;
nen Pastors Englein draufgeführt;
an jeder Seit ein Cherubim
mit Stacheldraht trat schützend hin.

Den Amboss hat der Rost zerfressen.
Der liegt im Wendeschrott vergessen.
Man läßt Soldaten wieder rüsten;
die hin zu den Afghanen düsen.

Denn dort wähnt hoch am Hindukusch
man Muselmänner hinterm Busch,
die vielleicht den Terror wagen?
Die will man vorher blutig schlagen.

Als Cherubim sind mit dabei
aus deutscher Bundesfliegerei
schell drei Tornadojäger,
sind willig Feindaufklärer.

Und wie zu Kaisers glorreich Zeiten
Prister ihre Hände breiten;
Schießplunder christlich segnend,
freiheitlich damit besser tötend.

Beim Kriegslärm fehlt der Ambossklang;
den schon Pythagoras besang,
der urst auch dem Jesaja frommt;
weil daher viel mehr Friede kommt!

So mancher denkt, wenns bei ihm dämmert:
"Wie ist wohl diese Welt belämmert."
Doch wann hör ich landauf, landab
Daß Schorlemann nun wieder hämmert?


     MaGro 2007

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