DIE BALLADE
            VON EINEM BLINDEN GRUBENPFERD

 
So schwarz weint keine Nacht am schwarzen Gitter
Wie in dem schwarzen Schacht das blinde Pferd.
Ihm ist, als ob die Wiese, die es bitter
In jedem Heuhalm schmeckt, nie wiederkehrt.

Es wittert durch das schwarze Fleisch der Steine
Den Tod, und sieht ihn mit den toten Augen an
Und ist mit ihm die ganze Nacht alleine
Und geht nur widerwillig ins Gespann.

Der Knabe, der es durch die Gänge treibt,
Will es mit Brot und Zucker fröhlich machen.-
Es kann nicht mehr wie andre Pferde lachen;
In seinen Augen bohrt die schwarze Nacht und bleibt.

Nur manchmal, wenn vermengt mit Harz und Laub
Waldfrisches Holz dort unten landet,
Reißt es, von Wahnsinn jäh umbrandet,
Den Schädel hoch und stampft den Knaben in den Staub.

Im Berg, die schwarze Wetternacht
Schlägt Funken aus den Hufen,
Und ehe nocht die Notsignale rufen,
Hat sich das blinde Pferd verhundertfacht.

Und poltert durch das schwarze Labyrinth
Und stürzt im Fliehn die tiefe Felsentreppe
Herab und wiehert durch die grüne Steppe,
Auf der die toten Pferde mächtig sind.

         Paul Z e ch
 


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