An den

Der  F r ei h ä n d l e r

Der enttäuschte Freihändler, der mir, neben meinem Garten unter blühender Linde voll summender Bienen, während der Mittichzeit 1 Fernsprechbilligangebot gemacht hat und dabei knallhart auf elementare Zwänge des freien Handels geprallt ist in dieser Wertegemeinschaft sozialer Marktwirtschaft; dieser Handelsmann möge noch 1 Mal an meine Haustür klopfen.

Ob 1 Vertrag zustande kommen könne, bleibe fraglich?
Dennoch dürfte 1 Begegnung nützlich sein.

MaGro
 

Der  W a n d e r e r

Zufrieden lehnte ich mich an das große Tor meines teuren Zwergkleinstgartens, der in sonniger Mittagstimmung vor sich hinschlummerte. Klärchen zog hoch im Zenit ihre Bahn, güldne Strahlenbündel durch das blaue Firmament herabschießend. Tausende Bienchen summten über mir im blühenden Lindenbaum, fleißig Nektar sammelnd.
Versonnen habe ich in die weite Ferne geblickt.

'Was mag dort vor sich gehen?'

Ich schreckte auf, meinen Ohren mißtrauend:
"Immer dasselbe Bild", hörte ich die rundliche Runkelrübe dem Kohlkopf sagen, der leise sein Mittagsschläfchen schnarchte. "Jedesmal dieses nervend grelle Mittichblau."

"Lassen sie mich gefälligst ruhen, sie zartes Ding," knurrte der; "sollten diät leben, werden immer unförmiger. Nehmen sie sich ein Beispiel am schlanken Weißrübchen! Das spart."

"Und sie erst, sie oller Dickopp; machen sich im halben Garten breit", keifte sie zurück "Das reicht mir! Man sollte was von ihrem Blätterwulst abschröttern für die Abdachlosenküche, und nix mehr mit Bimbes."

Die Zwiebel kicherte: "Mir kommt der nicht zu nahe."

"Bissige Zicke", köhlerte mein einziger Spargel, der, hochgeschossen, auf alles von oben herabblickt, "mää, mää, mäckert an allem rum. Innovation ist gefragt? Sollte sich jedes Mitglied der Gartengesellschaft merkeln!"

Der Grashalm vorm hintern linken Eck fächelte genüßlich mit seiner dürren Rispe im freien Windhauch. So genoß er den Vorzug, der ihm als einzigen seiner Art unter diesem Gemüse zuteil wurde. Den hatte ich vergessen zu märzen.

Plötzlich hat ein Wanderer am Torpfosten gestanden. Der wünschte:
"Guten Tag! Idyllisches Stilleben hier."

Ich nickte jainend.

Er räusperte sich; Wandrer erzählen gern Witze: "Kennen sie den?"

Ich nickte bejahend: "Honik Nummer 89, aufgewärmt."

"Und den andern?"

Ich nickte wieder: "Fischherr Nummer 64 gewendet. Ho! Ho!"

"Hätts mir denken können, wenn ich ihren Kohlkopf betrachte; den leicht angegilbten. Seit neumodsche Massenmedien flächendeckend verbreitet worden sind, hat man uns Wandrer abgeschrieben, haben wir keine echte Kommunikationschance mehr, joggen freigesetzt nur stumm und blöde durch die Tratschwelt."
Er legte vertraulich seine Hand auf meinen Unterarm, verschmitzt fragend:
"Was ist eigentlich der gravierende Unterschied zwischen einem 'Spiegel' und einem dampfenden Dunghäufchen?"
Gespannt guckte er mich an: "Na?"

Das Gemüse hinter dem Staket schwieg verschnupft. Irgendwas Anrüchiges schien in der Frage zu lauern. Nur Was?

"Gleich wissen sie's", kicherte er: "Wenn der 'Spiegel' das Dunghäufchen widerspiegelt, möchte er genau so delikat duften. Bloß der kann nicht."

Das zierliche Stockröschen am Zaun schüttelte sich pikiert: "äääääks!"

"Warum lachen sie denn nicht? Ha! Hi! Ho! Ho! Hi! Hach! Hach! Haach!" schallte er sonderbar.

Sehr ernst antwortete ich: "Soviel Impotenz finde ich nur zum Heulen."

Noch eins setzte er drauf:
"Jetzt schnuppern sie, wieviel natürliche Würze in den modernen Informationskloaken verduftet, bevor der klägliche Rest Wahrheit ins helle Rampenlicht gespült wird. Alles blasser Schnee vom vorletzten Winter."

"Sie meinen Infokanäle, Satellitenfunk, Presse, Rundfunk", stoppte ich seinen flotten Urteilsdrang. Ich habe um die sittliche Reinheit meines Edelgemüses gebangt.

Die Zwiebel kicherte frech dazwischen: "Ich kann scharf beißen, muß nicht hohlspiegelnd Zahnlücken übertünchen."

"Da kriegen sie den Salat. Der Buschfunk packts. Na, dann 'Gut Mahlzeit!'" hörte ich den Wandrer sich flugs entfernend. Wie gekommen, entschwand er durchscheinender werdend im azurnen Tagesglanz als strahlengewebte Lichtgestalt.
Ein verklemmtes 'Danke' rang sich meinem Kehlkopfe ab. Möge es ihn erreicht haben. Ihn beneidend blickte ich ungläubig hinterdrein: "Schade! Sowas kann ich nicht."

Die Sonne schwebte glänzend fort gen Westen. Ein kesses Wölkchen hat, vor Verlegenheit rot erglühend, ihren feurigen Rand gestreift. Ich wischte mit der Hand über die Augen; bohrte den kleinen Finger ins rechte Ohr, wackelte mit dem linken großen Zeh:
"Gibts denn das? Oder war alles ein Trugbild? Tappte ich blindlings in eine der vertrackten Zeitschleifen, die mich nun narrte?"
Ich habe rasch auf meine Füße geblickt, ob dort sowas wie ein schwarzgelb schillernder Chronobolus grünlich rumkinkelnd sich ringele. Den listigen Regieern vom grellschwarz gefräßigen Superloch im schiefschrägen Kritikastnebel der hintern Berligalaxie, die jetzt angeblich innovativ das Heliosystem sozialreformend entschlacken, denen wäre solcher Unfug zuzutrauen.
"Wie dem auch sein möge; ich werde mich für Bonsai entscheiden! Bei dem läßt sich alles fei wunderbar zurechtstutzen:
     Nix Problem!!"

 
An den

Der  F r ei h ä n d l e r

Der enttäuschte Freihändler, der mir, neben meinem Garten unter blühender Linde voll summender Bienen, während der Mittichzeit 1 Fernsprechbilligangebot gemacht hat und dabei knallhart auf elementare Zwänge des freien Handels geprallt ist in dieser Wertegemeinschaft sozialer Marktwirtschaft; dieser Handelsmann möge noch 1 Mal an meine Haustür klopfen.

Ob 1 Vertrag zustande kommen könne, bleibe fraglich? Dennoch dürfte 1 Begegnung mit mir nützlich sein.

MaGro  
» Zu den Pfaden !      Hei! Pegasus  komm!     In dieZeitschleifen
    
2004 Martin Grabo, WindiMühl