Merseburger Zaubersprüche

 

*   1. ZAuBER   *

" Eiris sazun idisi, / sazun hera duoder. // suma hapt heptidun, / suma heri lezidun, // suma clubodun / umbi cuoniouuidi: // insprinc haptbandun. / inuar uigandun! "

Übersetzung

Einstmals setzten sich Schlachtjungfrauen, setzten sich hierhin, setzten sich dorthin. / Die einen hefteten Haft, andere hielten das Heer auf, / einige klaubten an den Fesseln herum: / Entspring den Haftbanden, entflieh den Feinden!
 

*   2. ZAuBER   *

" Phol ende uuodan / uuorun zi holza. // du uuart demo balderes uolen / sin uuoz birenkit. // thu biguolen sinthgunt, / sunna era suister; // thu biguolen friia, / uolla era suister; // thu biguolen uuodan, / so he uuola conda: // sose benrenki, / sose bluotrenki, / sose lidirenki: // ben zi bena, / bluot zi bluoda, // lid zi geliden, / sose gelimida sin. "

Übersetzung

Phol und Wodan fuhren (ritten) zu Holze (in den Wald). Da ward dem Balders-Fohlen sein Fuß verrrenkt. Da besprachen (begellten) ihn Sinthgunt, (und) Sunna, ihre Schwester. Da besprachen ihn Frija, (und) Volla, ihre Schwester. Da besprach ihn Wodan, wie er wohl konnte: Sei es Beinverrenkung, sei es Blutstauung, sei es Gliederverrenkung: Gebein zu Gebeine, Blut zu Blute, Glied zu Gliedern, wie wenn sie geleimt seien (genau passend, fest aneinander gefügt)!


 
Nachtrag 05.08.04:
Heute hat mich die Kunde erreicht, daß am 11. August in Merseburg eine Ausstellung mit dem Titel "Zwischen Kathedrale und Welt – 1000 Jahre Domkapitel Merseburg" eröffnet wird. Dort ist das althochdeutsche Original der Zaubersprüche seit mehr denn 50 Jahre erstmals wieder zu sehen.
Mich haben die Sprüche zu meinem Wegezauber nebst Kradlerzauber angeregt. Werden in den Merseburger Sprüchen die Asen und Gehilfinnen um Hilfe angefleht, wenden sich meine eigens an Fahrende. Die Sprüche sollen deren Aufmerksamkeit langhin des Weges wach halten, so dem Unfall selbst vorbeugend.



Am 18.10.2004 habe ich die Ausstellung besucht. Ich bin von der Reichhaltigkeit des Gesamtbildes durch mancherlei Räume beeindruckt. Demnächst werde ich hier mehr dazu sagen.
Der Webstander der Ausstellung lautet: »  www.merseburg2004.de  «   Auf der Einlaßkarte ist er eigenartiger Weise groß geschrieben. Versuchen Sie es irgendwie.
 


04.12.04 :
Bereits 1½ Stunden war ich durch Dom nebst Ausstellung gewandelt. Brigitte oder Martin begleiteten mich zeitweilig durch die Vielfalt der Sehenswürdigkeiten aus Jahrtausenden. Im Keller hatte ich vor einem Steinzeitgrab mit Totengebein in einem Glasschrein andächtig verharrt, der im Fußboden eingesenkt war. Ich sagte ihm:
'Das hast du wohl nie gedacht, daß wir uns einmal begegnen werden und du mir Auskunft über dein Leben geben wirst. Sei Friede ewig deiner Seele.'
Aus den Kellergewölben aufgestiegen treffe ich Brigitte. Sie fragt:
"Hast du das Buch mit den Sprüchen gefunden?"
Ich verneine. Sie weist mir den Weg. Mittich des Saales in der eigens errichteten Klause harrt es der andächtigen Besucher. Vor mir 1 Dame, 1 Herr, die es balde verlassen. 1 Stimme sagt aus dem Hintergrund betont die Sprüche. Ich trete durch den Schlupf.
Da stehe ich nun vor dem Pergamentgebinde. In einem Glaskästchen liegt es, beschienen von mildem, Blätter samt Schrift schonendem Kunstlicht. Ich stehe vor Zeichen aus ferner Vergangenheit, die eine fleißige Hand mit Federkiel und Schwarztinte dem Papier anvertraut, ja sicher verwahrt hat, daß sie über den Tag hinaus sinnstiftend wirken mögen. Die Sätze und Reime sprechen mich gegenwärtig an, die mich zu Sprüchen verwandter Art angeregt haben. Und ich spüre geistige Kraft, die aus einem Jahrtausend alten Worten hervorstrahlt.
 


 
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